FAUSTL von Thomas Bremser Update: 20. Mai 2017

 

FAUSTL  Musiktheater - Hörbuch - Bilderbuch

 

Idee und Buch Thomas Bremser
Alle Rechte bei Thomas Bremser  © STERNENSTAUBMUSIK 2017

 



Grafische Umsetzung der Hauptfigur FAUSTL von Ulrike Martens
Alle Rechte der grafischen Umsetzung liege bei Ulrike Martens

Text: Heinrich Heine (1797-1856), Thomas Bremser (*1958),
Robert Burton (1577–1640), u.a.

Musik: N.N. u. Thomas Bremser

 

Handlungsfaden FAUSTL

 

Die ODYMORPH, ein Raumschiff, begegnet der Raumsonde Voyager.

Unser Held FAUSTL taucht in die Erdumlaufbahn ein. Im freien Fall stürzt

er auf die Erde.

 

Er hat ein Damen-Spitzen-Taschentuch und ein Stück beschriebenes

Pergament in einer Dose mitgebracht, die irgendwann von der Erde

verschwand. Vermutlich wurde sie unwissentlich auf die Voyager 1

geschmuggelt. Er sucht die Person mit den Initialen C und M.

 

FAUSTL hat einen Wissenssauger, der ihn in kürzester Zeit in die

Lage versetzt Wissen zu generieren. Er ist eine Art Assoziation-Akrobat

und Verknüpfungs-Fetischist. Kein Problem  lässt er aus. Keine

Lösung dauert ihm zu lange. Kein irdisches Buch, keine Prämisse,

Formel oder Axiom, dass er nicht schon aufgesogen hat.

 

Im Laufe der Handlung wird langsam klar, wen er sucht.

Es handelt sich um die römische Sängerin Caterina Martinelli,

die im Hause Monteverdis,  Anfang des 17. Jahrhunderts

Gesangsunterricht erhielt.

 

Da FAUSTL auf seinem Sturzflug zur Erde dem Breitgürtelasteroiden

4040_Purcell begegnet und über Odysseus, Eurydike, Penelope

und Orpheus stolpert, ist es nicht verwunderlich, dass er ausgerechnet

hart Backbord im Bugwasser der Queen Mary II landet; dort sich als

Musiker und Sänger ausgibt und ein Solokonzert im Theater an Bord

der Queen Mary II gibt. Auch Henry Purcell wird als schizoides Halluzzi auftauchen

und Verwirrung stiften. In seinem Konzert schlüpft er in verschiedene

Personen und hat am Ende das ganze Schiff unter seiner Kontrolle.

 

Fragen über Fragen: Wird er Caterina Martinelli an Bord der

Queen Mary II finden? Wird er Caterina das Taschentuch zurückgeben können?

Ist Caterina seine verstorbene Frau Eurydike? Wenn nicht, wo ist Eurydike?

Ist FAUSTL Orpheus? Wie wird FAUSTL zurückkehren? Bleibt er auf der Erde?

 

Das Publikum am Abend, wäre dann auch sein Publikum auf der Queen Mary II.

FAUSTL interagiert mit Musik und Texten inmitten des abendlichen Publikums.

 

Ort der Handlung ist das Weltall und die Erde - der Ozean.

 

1. Raumschiff ODYMORPH und VOYAGER I (Kollision)

2. Kreuzfahrtschiff QUEEN MARY II (Rettungsboot, Bar)

3. Raumschiff ODYMORPH erweitert

 

Der Anfang

Ouvertüre (Musik)

Lied des FAUSTL

Heinrich Heine (aus "Lyrisches Intermezzo" 1822-1823)

LIX
Es fällt ein Stern herunter
Aus seiner funkelnden Höh!
Das ist der Stern der Liebe,
Den ich dort fallen seh.

Es fallen vom Apfelbaume
der Blüten und Blätter viel!
Es kommen die neckenden Lüfte
Und treiben damit ihr Spiel.

Es singt der Schwan im Weiher,
Und rudert auf und ab,
Und immer leiser singend,
Taucht er ins Flutengrab.

Es ist so still und dunkel!
Verweht ist Blatt und Blüt,
Der Stern ist knisternd zerstoben,
Verklungen das Schwanenlied.


 

(1) Ein grölender, lauter Schmerz übermannte FAUSTL als er mit seinem

kleinen Raumzeitgleiter ODYMORPH in die Erdatmosphäre einstach. Wie

der Löffel in einen warmen, beinahe schnittfesten Grießpudding, quetschte

 er sich in eine Welt voll warmen, menschlichen Schluckens und Saugens.

Ungebeten und im nach hinein als Versehen verbucht, sauste FAUSTL also

im Meer der Assoziationen durch Zeit und Raum – oder Raum und Zeit?

 

Wen kümmert es schon? Hmmm!

 

Er hatte vor etwa acht Takten durch ein, nennen wir es Medikament, sein

Bewusstsein verloren. Er hasste diese kurzen Trips von Milchstraße zu

Milchstraße. Lieber Leser, wenn wir davon ausgehen, dass ein Takt etwa

die Zeit vermisst, die wir als Menschen von der Erde zum Saturn brauchen,

löst sich die Länge seiner Reise aus dem Verschwommenen.

 

Klar, sein ODYMORPH wurde noch sehr altmodisch mit überflüssigem,

aus dem oft unterschätzten Unterbewusstsein, per hypnotischer

Verdampfung, also dem Seelenabrieb, angetrieben. Dieser besagte

Seelenabrieb, der schmerzhaft gewonnen werden musste, veranlasste

FAUSTL zum sorgsamen, feinfühligen Umgang mit seinen Energievorräten.

Selbstwahrnehmung war gefragt! Eine beliebte Tugend auf dem Planeten

von dem er kam. Hmmm!

 

Das Schiff, die ODYMORPH, hatte die Form einer Kugel, die sich

pulsierend fortwährend zusammenzog und sich selbst andauernd verformte.

Lediglich eine dünne Zellmembran schützte FAUSTL innerhalb seines

ODYMORPHs vor der pumpenden, rastlosen Materie.

 

Vier Takte zuvor hätte es beinahe eine Kollision mit dem Hauptgürtelasteroiden

4040_Purcell gegeben. Hierbei verhinderte die flexible Haut seines Reisegefährts

einen größeren Schaden. Es war kein dummer Zufall, kein schicksalhafter

kleiner Scherz des großen Schöpfers, nennen wir ihn A, der diese vermeintlich

bedrohliche Begegnung 4040_Purcell ausgelöst hatte. A hatte bewusst

4040_Purcell auf FAUSTL angesetzt. Aber dazu später mehr.

 

(2) Jaja, der Seelenabrieb…; Hmmm. Funktionierte dieser bisher lautlos,

ohne kognitive Fähigkeiten, brachte er im achten Takt alles, von FAUSTL

noch unbemerkt, durcheinander. Hatte sich da plötzlich etwas verändert,

seit der Begegnung mit diesem fliegenden Objekt, dass FAUSTL mutig mit

seinem Raum-und Zeit-Sauger an eine seiner zahllosen Membranen saugte.

Es hatte sich etwas verändert. Ja! Wo vorher der Seelenabrieb nur als

Treibstoff diente, wurde durch das Erkunden des Objektes eine himmlische

Luke aufgetan, die sich ab sofort nicht mehr schließen ließ. Und dies genau

ein Takt vor dem Eintauchen in die Erdatmosphäre - während des achten

Taktes.

 

FAUSTL bemerkte im achten Takt ein Organ, was er bisher nur mit sich

herumtrug. Ein paar beidseitig am Kopf angebrachte Membranen mit

fleischigen, ja fast wulstigen Ausstülpungen. Bisher hatte sein

Unterbewusstsein nur in einem Knalltrauma-Rauschen, die Erschaffung

von A in sich aufgenommen. Ein Geräusch, ein Rauschen, eine lästige

Sache, die keine Resonanz in seinen Zellen und Membranen hervorrief.

Doch da war jetzt diese schillernde, fremdartige, kleine Platte, die er aus

dem fliegenden Objekt geborgen hatte und in seinem ODYMORPH-Replikator

ablichtete, und nun somit ihrer Bestimmung als irgendwie geordneter

Schallverstärker dienen konnte.

 

Was hernach in seine am Kopf angebrachten Membranen strömte und den

ganzen Körper schier überflutete, waren Wellen des Schalls. Klänge von

nie gehörter Vollkommenheit breiteten sich über seine Synapsen aus. Aber

immer nur dann, wenn er vorher eine Art Gas, dass leidlich aus dem Objekt

strömte, in sich aufsaugte. Ein Wunder? Eine Offenbarung? Ein unverdientes

Geschenk des A, oder war das schon B? Hmmm!

 

Mit seinem RAPIDTRANSLATOR übersetze er sich die Zeichen auf der

mysteriösen Platte, und er fand schnell heraus, um was es sich bei diesen

Klängen handelte. Es gab wohl zwei Worte, die er schwach entziffern konnte:

Bach und Mozart. Nach vielen archäologischen Bemühen und nach ungefähr

einem halben Takt, hatte er auch die zugehörigen Zeichen übersetzt.

„Goldberg-Variationen“ und die sogenannte „Königin der Nacht“.

 

Durch einen Übersetzungsfehler, einen Zeilensprung vielleicht, eine digitale

oder analoge Unordentlichkeit, ordnete der RAPIDTRANSLATOR die

Schallquellen falsch zu. Und so entstand eine nicht unerhebliche Verfälschung

seiner Auswertungen. Lauschen, saugen, hineinströmen lassen – FAUSTL

war entrückt und verzückt. Hmmm!

 

(3) Vor wie vielen Takten beschloss FAUSTL seine vertraute Umgebung

zu verlassen? Ein banges Sehnen hielt ihn in seiner Welt gefangen. Er ahnte,

dass etwas nicht stimmte. - Regelrecht verstimmt war darüber, dass sich fast

unmerklich der Seelenabrieb verflüchtigte. Takt für Takt. Auf einem

Spitzentaschentuch, dass FAUSTL aus einer silbernen Box zog waren

die Initialen C und M zu lesen. Wie kam FAUSTL an solch einen Gegenstand?

Aber es bleibt die Frage, wie  FAUSTL an dieses Pergament und an dieses

Taschentuch kommen konnte. Fragen über Fragen! Hmmm!

 

(4) Eine der wichtigsten Fragen war aber, wie die Erdenbewohner

auf seine Ankunft reagieren würden. Gut, er sah menschlich aus,

etwas blass um die Nase und steckte in einem Raumanzug, der

schon die eine oder andere Zeitreise hinter sich hatte. Durch seinen

RAPIDTRANSLATOR würde er sich auch verständlich in jeder

beliebigen Sprache ausdrücken können. Mittlerweile hatte er die

ODYMORPH stark abgebremst, in dem FAUSTL eine Art

Schubumkehrgas in die Erdatmosphäre strömen ließ. Er tuckerte

nun gemächlich bei guter Sicht etwa 0,000036 Takte über dem Mittelmeer. (...)

 

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